Nachdem das Oberlandesgericht München trotz der Anleitung des Bundesverfassungsgerichts es endlich geschafft hatte, alle Klarheit über die Zahl der journalistischen Plätze zu beseitigen, hoffte es darauf, Ruhe in den Gerichtssaal zu bekommen. Natürlich war es darauf gefasst, gleich zu Beginn Ablehnungsanträge einzufangen. Keiner der Fachjournalisten, die darüber im Fernsehen berichteten, schien zu wissen, dass die Verteidigung diese Anträge unverzüglich am ersten Prozesstag stellen muss, weil sie danach das Recht zur Rüge verliert. Es wurde ihr wie üblich als Prozessverschleppung vorgehalten und zwar von anderen Anwälten, die die Opfer vertreten. Die riefen schon seit langem nach einem kurzen Prozess und forderten gleichzeitig, alle Versäumnisse der Ermittlungsbehörden des Bundeskriminalamts, der Nachrichtendienste und aller verantwortlichen Politiker in die Details zu zerlegen – der Widerspruch blieb ihnen wohl verborgen. (weiterlesen …)
Merkur. Blog der deutschen Zeitschrift für europäisches Denken Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken
Kurzer Nachtrag zu Hans Platschek
Das Folgende ist eine eigenständige Ergänzung zu Christian Demands Essay Heiliger Narr. Über den Maler und Essayisten Hans Platschek im aktuellen Heft des Merkur.
Ich habe Hans Platschek leider erst sehr spät, nämlich Anfang der 1990er Jahre, für mich entdeckt. Damals stieß der Suhrkamp Verlag gerade die Restbestände seiner hinreißend galligen Essaysammlungen aus den Achtzigern als Mängelexemplare über die Hintertüre des Buchhandels ab, was Platschek, wie mir Freunde von ihm später erzählten, derart kränkte, dass er zur wesentlich kleineren Deutschen Verlags-Anstalt wechselte. Mir selbst war er, wie ich gestehen muss, bis dahin weder als Maler noch als Autor aufgefallen. Aber als mir beim Stöbern in den Bücherkisten vor den Schaufenstern der modernen Antiquariate um die Münchner Universität das Bändchen mit dem Titel Die Dummheit in der Malerei in die Hände fiel, musste ich einfach zugreifen. Selten habe ich einen Impulskauf weniger bereut. (weiterlesen …)
Mai-Heft im Handel
Das Maiheft ist ab sofort im Handel erhältlich – Bestellung zum Beispiel über die Klett-Cotta-Website. Freigeschaltet sind Heinrich Bosses historische Perspektivierung der aktuellen Debatte um die Inflation der Noten in Schule und Universität sowie die erste Popkolumne in der Merkur-Geschichte: Der Literaturwissenschaftler Eckhard Schumacher schreibt über die Zeitschrift Pop (Webauftritt) und allerlei Theoriebildung in ihrem Umfeld. Viel Lesenswertes daneben, darunter Rembert Hüsers verblüffende Konstellierung von Adorno, Beethoven, Peanuts und Spraydosen, oder Christian Demands Porträt des Künstlers, Kritikers und begnadeten Pamphletisten Hans Platschek. Und last, but not least: Günter Hacks fototheoretisch grundierter Essay über den Bienenfresser und Stephan Herczegs Fortsetzung seines Journals.
Das April-Heft
Jetzt im Handel und auch im Netz: das April-Heft. Zwei Texte nehmen die Zeitung in den Blick, allerdings vor entschieden historischem Hintergrund. Lothar Müller befasst sich (in einer der beiden Gratis-Leseproben) mit dem Zusammenhang von Aktualität und Deadline und hat wenig Sorge um die Zukunft der Zeitung in der Digitalära. Wolfgang Hagen greift noch weiter, nämlich bis in die Antike und zu Meister Eckhart, zurück – und diagnostiziert deutlich weniger optimistisch das Ende der Aktualität. Außerdem unter anderem: Anke te Heesen mit Grundlegungen zu einer Naturgeschichte des Interviews, Klaus Birnstiel nimmt exoterische Texte von Helmut Lethen, Peter Sloterdijk und anderen zum Anlass, über das Innen und Außen der Akademie nachzudenken. Als Soziologie-Kolumnist verabschiedet sich Jürgen Kaube (zweite Gratisleseprobe), im September übernimmt Rudolf Stichweh.
Neu: Kathrin Passigs “Standardsituationen der Technologiekritik” (Bücher von Merkur-Autoren)
In der “Edition Unseld” bei Suhrkamp erschienen: Kathrin Passigs Standardsituationen der Technologiekritik, ihre gesammelten Internetkolumnen für den Merkur. Natürlich alle auch nach wie vor bei uns im Archiv nachlesbar, und zwar lustigerweise summa summarum genau für den Preis des Buches: 12 Euro. Die Texte gebunden und am Stück in der Hand halten zu können, ist aber, gegen Passig für Passig gesprochen, auch nicht so schlecht. Bestellbar ist das Buch etwa hier.
Neu: Cord Riechelmann über Krähen (Bücher von Merkur-Autoren)
Bei Matthes & Seitz ist vergangene Woche Cord Riechelmanns “Krähen. Ein Porträt” erschienen. Und zwar als Auftakt einer von Judith Schalansky herusgegebenen Reihe “Naturkunden” im Verlag Matthes & Seitz. Bestellen kann man es hier für 18 Euro. Im Merkur sind von Cord Riechelmann zuletzt die Texte Politik oder Polizei? Die Radikalisierung der Demokratie bei Abensour und Rancière und Kontingenz. materialistische Anmerkungen zu Louis Althussers späten Schriften erschienen.